Branche
5 Fälle

KI in der Arztpraxis

KI in der Arztpraxis nimmt niemandem die Diagnose ab, sondern die Schreibarbeit danach. Ich zeige Praxen und Therapeuten fünf Aufgaben, die sich heute verkürzen lassen, vom diktierten Arztbrief bis zur Terminanfrage am Telefon. Weil hier die Schweigepflicht nach § 203 StGB gilt und nicht nur der Datenschutz, steht bei jedem Fall, wo er laufen darf.

Aus dem Alltag

Montag, 7:50 Uhr

Das Telefon läuft seit zehn Minuten, im Wartezimmer sitzen schon vier Leute. An der Anmeldung stapeln sich die Anamnesebögen vom Freitag, handschriftlich, teils schwer zu lesen. Auf dem Diktiergerät liegen sieben Befundbriefe von Donnerstag, die noch keiner geschrieben hat. Die medizinische Fachangestellte, die das sonst macht, ist seit drei Wochen krank, und die Stelle daneben ist seit einem halben Jahr ausgeschrieben.

KI in der Arztpraxis übernimmt Befundbriefe und Anfragen, nicht die Diagnose. Blick hinter den Anmeldetresen einer Praxis mit Formularstapel, Telefon und leerem Wartebereich. (KI-generierte Illustration)
Anmeldung einer Arztpraxis

Der ärztliche Teil dieser Arbeit ist erledigt. Was liegen bleibt, ist Übertragen, Formulieren und Sortieren. Diese Arbeit ist nicht anspruchslos, aber sie ist der Teil, für den am wenigsten Personal zu finden ist.

Genau hier setzt KI in der Arztpraxis an. Sie schreibt aus einem Diktat einen geordneten Brief, liest einen Anamnesebogen aus und sortiert Anfragen nach Dringlichkeit. Sie stellt keine Diagnose, sie gibt keine Empfehlung ab, und sie entscheidet nichts. Wie die Werkzeuge dafür eingerichtet werden, steht unter KI-Implementierung.

Warum der AV-Vertrag hier nicht genügt

Zuerst
die Grenze

Patientendaten unterliegen zwei Regelwerken: dem Datenschutz und der strafbewehrten Schweigepflicht. Der Auftragsverarbeitungsvertrag deckt nur das erste ab.

Wer als Arzt einem externen Dienstleister Zugriff auf Patientendaten gibt, offenbart ein Privatgeheimnis. § 203 Abs. 3 StGB erlaubt das gegenüber mitwirkenden Personen, verlangt aber, dass diese ausdrücklich und förmlich zur Verschwiegenheit verpflichtet werden. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO leistet das nicht, weil er aus einem anderen Gesetz stammt.

Für die Praxis heißt das: Stufe 1 fällt für alles mit Patientenbezug aus, solange der Anbieter die Verpflichtung nicht unterschreibt. Das ist keine Auslegungsfrage und auch kein Restrisiko, mit dem man leben kann. Die vollständige Einordnung samt der Frage, welche zwei Wege bleiben, steht im Artikel KI und Schweigepflicht.

Die gute Nachricht steckt in der Aufteilung: Ein erheblicher Teil der Arbeit in einer Praxis hat gar keinen Patientenbezug. Diese Fälle dürfen auf die günstige Stufe, und sie sind der beste Einstieg.

Fünf Anwendungsfälle

Aufgabe
Heute
Mit KI

Die Minutenwerte sind Richtwerte und keine Zusage. Was in Ihrer Praxis herauskommt, beziffert die KI-Potenzialanalyse an Ihren eigenen Vorgängen.

  • Fall 01

    Befundbrief aus dem Diktat

    Heute
    Das Diktat wird abgetippt, in die Briefvorlage gebracht, Anrede und Schluss angepasst, Befunde in die richtige Reihenfolge sortiert. Je Brief zwölf bis zwanzig Minuten, und sie fallen alle am selben Nachmittag an.
    Mit KI
    Das Diktat wird im Haus in Text gewandelt und in die Briefstruktur Ihrer Praxis gebracht: Anamnese, Befund, Beurteilung, Empfehlung. Der Arzt liest, korrigiert, zeichnet ab. Die Beurteilung schreibt weiterhin der Arzt.
    15 MIN4 MIN

    Stufe 3 · im eigenen Haus

  • Fall 02

    Anamnesebogen auslesen

    Heute
    Der ausgefüllte Bogen wird an der Anmeldung abgetippt, Vorerkrankungen und Medikamente einzeln ins System übertragen. Bei unleserlicher Handschrift wird nachgefragt oder geraten, und Übertragungsfehler fallen erst später auf.
    Mit KI
    Der Bogen wird eingescannt und ausgelesen, die Felder werden vorbelegt. Unsichere Stellen werden markiert statt stillschweigend übernommen. Geprüft und freigegeben wird von einer Fachkraft.
    8 MIN2 MIN

    Stufe 3 · im eigenen Haus

  • Fall 03

    Terminanfragen und Rückrufe sortieren

    Heute
    Vormittags klingelt das Telefon durchgehend, gleichzeitig laufen Mails und Anfragen über das Portal auf. Wer dringend ist und wer warten kann, entscheidet sich in der Reihenfolge des Eingangs.
    Mit KI
    Schriftliche Anfragen werden nach Dringlichkeit und Anliegen vorsortiert, zu jeder liegt ein Antwortentwurf bereit. Wer wirklich dringend ist, entscheidet weiterhin eine Fachkraft nach Ihren Vorgaben.
    50 MIN15 MIN

    Stufe 3 · im eigenen Haus

  • Fall 04

    Patienteninformationen und Aufklärungstexte

    Heute
    Merkblätter zu Vorbereitung, Nachsorge oder Impfungen stammen aus dem Netz oder von Herstellern, passen selten zur eigenen Praxis und werden trotzdem verteilt. Etwas Eigenes zu schreiben verschiebt jeder.
    Mit KI
    Aus Ihren Stichpunkten entsteht ein verständlicher Text in gleichbleibendem Ton, auf Wunsch in einfacher Sprache und in mehreren Sprachfassungen. Fachlich geprüft und freigegeben wird in der Praxis.
    90 MIN20 MIN

    Stufe 1 · Cloud + AV

  • Fall 05

    Stellenanzeige und Einarbeitung

    Heute
    Die Anzeige für die medizinische Fachangestellte liest sich wie alle anderen, entsprechend selten meldet sich jemand. Die Einarbeitung läuft mündlich und wiederholt sich bei jeder neuen Kraft.
    Mit KI
    Aus Stichpunkten zu Team, Arbeitszeiten und Aufgaben entstehen mehrere Fassungen der Anzeige. Für die Einarbeitung entsteht eine schriftliche Handreichung aus dem, was bisher nur mündlich weitergegeben wurde.
    2 STD25 MIN

    Stufe 1 · Cloud + AV

Passende Leistungen

Stufe 1

KI-Potenzialanalyse

In einer Praxis entscheidet sich alles daran, welche Vorgänge Patientenbezug haben und welche nicht. Diese Trennung nehme ich zuerst vor, danach steht fest, was günstig geht und was ins Haus gehört.

Mehr zur Leistung

Baustein

Wissen sichern

Wenn die Fachangestellte nach zwanzig Jahren aufhört, geht das Wissen über Abrechnung, Abläufe und Eigenheiten der Praxis mit. Das lässt sich vorher festhalten.

Mehr zur Leistung

Häufige Fragen

Zur Branche

Darf ich Patientendaten überhaupt in ein KI-Werkzeug geben?

Nur, wenn der Anbieter förmlich zur Verschwiegenheit verpflichtet ist oder die Verarbeitung Ihr Haus nicht verlässt. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag genügt dafür nicht, weil er die Schweigepflicht aus § 203 StGB nicht abdeckt. Für Texte ohne Personenbezug gilt diese Einschränkung nicht. Die Einzelheiten stehen im Artikel zu KI und Schweigepflicht.

Was bringt KI einer Praxis mit acht Mitarbeitern?

Vor allem Zeit an der Anmeldung und beim Schreibkram. Diktate werden zu fertigen Briefen, Terminanfragen laufen vorsortiert auf, wiederkehrende Patientenschreiben entstehen aus Vorlagen. Der medizinische Teil bleibt unverändert, weil die Entscheidung beim Behandelnden liegt. Was in Ihrer Praxis tatsächlich herauskommt, beziffert die Potenzialanalyse an Ihren eigenen Abläufen.

Ersetzt das medizinische Fachangestellte?

Nein, es entlastet sie. In den meisten Praxen ist die Stelle ohnehin schwer zu besetzen, und die Arbeit bleibt trotzdem liegen. KI übernimmt das Formulieren und Sortieren, nicht das Gespräch am Tresen und nicht die Triage am Telefon. Wer Personal abbauen will, braucht keine KI, sondern eine andere Beratung.

Was sagt meine Ärztekammer dazu?

Die Berufsordnung der Kammer und das Heilberufegesetz Ihres Landes gelten zusätzlich zum Datenschutz und zur Schweigepflicht. Die Kammern äußern sich zunehmend zu KI im Praxisalltag. Das Gespräch dort kostet nichts und ist vor einer Einführung sinnvoll. Ich beziehe die Antwort in die Planung ein, ersetze sie aber nicht.

Brauche ich dafür einen eigenen Server?

Für den Teil mit Patientenbezug ist ein Rechner im Haus der einfachste Weg, weil dann nichts offenbart wird. Für Diktat, Zusammenfassen und Vorlagen reicht die Qualität lokaler Modelle aus. Alles ohne Personenbezug, etwa Texte für die Praxiswebseite, darf in die Cloud. Diese Trennung spart Geld, weil nicht alles auf die teure Stufe muss.

Gilt das auch für Physiotherapie und Ergotherapie?

Ja. Angehörige staatlich geregelter Heilberufe fallen ebenfalls unter die Schweigepflicht nach § 203 StGB. Die Datenmenge ist kleiner als in einer Arztpraxis, die rechtliche Lage aber dieselbe. Weil in Therapiepraxen oft niemand für IT zuständig ist, lohnt hier besonders eine schriftliche Regel, was hineingegeben werden darf und was nicht.

Alle Fragen und Antworten

Ist Ihr Betrieb bereit für KI?

Sie kennen Ihren Betrieb, ich kenne die Technik. In 45 Minuten am Telefon gehen wir Ihre Abläufe durch und finden die ersten Stellen, an denen sich KI lohnt. Kostenfrei und ohne Verpflichtung.